Der Tod fährt mit

Lyrische Abgründe und Irrsinniges in Versen

Ein Vogel saß mit ungestümem
Blick auf einem Pferde-Hymen.

So zwischen Blumen, Gras und Mücken
lag das Ding vor ihm - toll zum Picken.

...

aus "Pferdestolz"

Ein unwiderstehlicher Reiz scheint davon auszugehen, sich seinen Mitmenschen oder der Nachwelt mitzuteilen.

Nun, wir sind in der glücklichen Lage, nicht länger mit rußgeschwärzten Fingern oder mit ocker- und blutgetränkten Utensilien unsere Höhlenwände beschmieren zu müssen, um uns nachhaltig mitzuteilen. Doch zumindest eines haben wir erwiesenermaßen mit unseren Vorfahren gemeinsam: im Fokus des Interesses liegt oftmals das Alltägliche und Banale.

Manchmal ernst und nachdenklich, manchmal belanglos und trivial, manchmal verspielt oder albern und manchmal ... ja manchmal sogar düster und unheilvoll. Alles kann! Alles darf! Alles muss!

Eine Form des Mitteilens liegt mir persönich besonders am Herzen: die Lyrik - in all ihren Facetten!

Poesie und Fantasie,
Sarkasmus oder Häme,
gepaart mit Witz und Lebenslust,
mit Spöttelei und Bräme.
Die Worte, rhythmisch, wie mit Leim
verbunden mittels Dichtung,
bilden Strophen, Vers und Reim
in jeder Lyrik-Richtung.

So oder so ähnlich ließe sich meine Definition der Lyrik selbst kanonisch lyrisieren.

Alles ist erlaubt! Bloß keine Hemmungen! Doch sind wir ehrlich: Richtig interessant wird es meistens erst, wenn es um die dunkle Seite unseres Ichs oder um die missliche Lage Anderer geht, wenn Situationen eskalieren, deren Ausweglosigkeit uns selbst in den Wahnsinn triebe oder Misserfolg eine Geschichte erst erzählenswert macht. Düstere Bilder oder alptraumhafte Visionen schaffen es dabei mindestens ebenso, wie das Alberne, Banale und Aberwitzige, uns von unseren eigenen Problemen gnädig abzulenken. Und kaum etwas vermag in meinen Augen den alltäglichen Wahnsinn besser zu transportieren, als gut verpackte, alles beschreibende und dabei alles vernichtende Lyrik.

Der erklärte Zweck dieser Seiten ist es also, mein lieber Leser, Ihnen meine Sicht der alltäglichen Dinge nahe zu bringen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger! Und Sie merken, ich bin trotz meines Alters ein bekennender Fan der Lyrik. Seien Sie also nicht verwundert, wenn Ihnen auf den folgenden Seiten die Reime und Verse nur so um die Ohren fliegen.

Ich bin immer wieder auf's Neue überrascht, welche Vielfalt diese sehr spezielle Kunstform hervorgebracht hat und dies bis dato tut. Regeln scheint es hierbei wenige bis gar keine zu geben. Und wenn Sie es für sich behalten können, verrate ich Ihnen ein kleines Geheimnis: Bereits in frühen Kindheitstagen zählte Erich Kästner nicht allein wegen seines doppelten Lottchens, seinem Emil oder dem fliegenden Klassenzimmer zu meinen Helden. Seine Lyrische Hausapotheke war mir immer wieder ein Genuss und Quell der Inspiration, wie man so sagt.
Und wenn beispielsweise ein Heinz Erhardt seine Made rezitierte, amüsierte ich mich königlich und war jedes Mal auf's Neue völlig fasziniert von der Einfachheit, Klarheit und Kraft des Gereimten.

Und dann, vor gar nicht allzu langer Zeit, habe ich SIE kennengelernt. Nun, nicht persönlich. Das war mir nicht mehr vergönnt ... leider! Doch kaum jemand konnte die Dinge trefflicher in Verse packen, als eine gewisse Mascha Kalèko, Ihre Erzählkunst schlug mich unvermittelt in ihren Bann! Was Lyrik in ihrer Grundfeste ausmacht, der Gebrauch weniger Worte, um ausdrucksstarke Bilder in den Köpfen der Leser zu zeichnen, beherrschte sie auf eine ganz besondere Weise. Ich liebte ihren Witz von der ersten Zeile an, denn er ist meinem Verständnis von Humor sehr ähnlich! Ich sah in ihr schnell einen Bruder - oh Entschuldigung - eine Schwester im Geiste. Und ich liebe ihre Art, das Perfide und Unlustige ihrer Zeit, ja selbst ihr eigenes Leid in köstlich amüsierende Verse oder Texte zu verpacken und einem diese vor den Latz zu knallen. Dabei hat bei ihr selbst Oberflächliches eine gewisse Tiefe (vice versa) und ihr Motto scheint der, zugegeben, stark überstrapazierte Sinnspruch: "Humor ist, wenn man trotzdem lacht".

Alltagslyrik nennen es manche. Gebrauchslyik oder Großstadtlyrik andere. Nennen Sie es, wie Sie wollen; ich nenne es einfach KÖSTLICH!

Nun aber wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Durchstöbern dieser Seiten, dem Abtauchen in die (zumeist gereimten) Abgründe der menschlichen und insbesondere meiner eigenen Seele, dem Versuch, das wahre Wesen unserer ureigenen Unvollkommenheit zu ergründen und vielleicht erkennen Sie sich ja selbst hier und da wieder...

Freundlichst, Ihr JT