Irrsinniges in Versen

Grund genug
oder
Warum Freitod nicht die Lösung ist

Will jemand eines Todes sterben,
den frei er sich erwählt,
bedenkt die Konsequenz, das Erben,
er nebenher, gequält.
So nebensächlich, frei von Sinn,
so oberflächlich scheint mithin
die ketzerische Diskussion
um all den Nachlass der Person.

Viel wichtiger sind da die Fragen
bezüglich des Warum.
Doch niemand wird es wirklich wagen,
im Nachhinein ein Wort zu sagen.
Und während and’re Trauer tragen
freu’n sich schon manche stumm.

Sie spekulier’n auf fette Beute,
obwohl Sie ihn nicht kannten,
so kennen sie doch manche Leute,
die zählten zu Verwandten.
Da wird gemunkelt und bedauert,
geflunkert und gespielt getrauert.
Im Hinterkopf schwebt nur die Frage:
Wann kommt das Testament zutage?

Sie rechnen, schätzen, fragen, nicken,
sie wollen alles hör’n.
Zum Schein nur lassen sie sich blicken,
sich künstlich zu empör’n.
Im Inner’n die Gewissheit loht,
der blöde Sack nun endlich tot.
Und Hoffnung auf Entschädigung
begleitet das Brimborium.

Die Dinge, die ihn einst verband
mit all den ander’n Leuten
nicht fassen will sie ihr Verstand,
nur möglichst viel erbeuten.
Was kümmert sie ein Toter mehr?
Das holt ihn auch nicht wieder her!
Und schließlich hat er’s so gewollt!
Respekt wurd’ ihm genug gezollt.

So würd’ ich gründlich überlegen,
ob lohnend ist das Tun,
selbst Hand an Gottes Werk zu legen,
um doch nie ganz zu ruh’n!
Denn schon im Hinblick auf die Nieten,
Schmarotzer und die Parasiten
ist Weiterleben vorteilhaft.
Und das allein gibt Mut und Kraft.